Das
erste Schiff soll um 1700 von einem Arnisser erworben sein, es folgten
mehr und mehr. Im Jahre 1771 bestand die Flotte aus 21 Schiffen
mit einer Tragfähigkeit von 175 Lasten, wobei man für
eine damalige Commerzlast 2,6 Tonnen rechnen mußte. Ihre Größe
variierte. Es gab kleinere Yachtboote - sogenannte "Bordsfahrer"
- die vorwiegend die Ostsee befuhren und größere: Brigantinen
und Schoner, die weite Seereisen unternahmen und ferne Häfen
in Spanien, Portugal, Klein-Asien und Westindien aufsuchten. Der
Haupthandel wickelte sich mit Dänemark und den skandinavischen
Ländern ab. Ausgeführt wurden vorwiegend landwirtschaftliche
Produkte aus den Überschußgebieten Angeln und Schwansen.
In großen Lagerschuppen wurden die aufgekauften Güter
gestapelt und exportiert. Nach Arnis brachte man Holz, Salz, Eisen,
Glas, Heringe, Kolonial- und Manufakturwaren. - Die ganzen handwerklichen
Betriebe stellten sich auf die Erfolge ihrer Schiffahrt um. Eine
Mühle lieferte Korn und Mehl, Schlachtereien wuchsen aus dem
Boden und lieferten Rauchfleisch und Würste, Pferdeschlachtereien
kamen hinzu und eine besondere Grützmühle bereitete Buchweizengrütze.
Mit der Zunahme der Schiffahrt in Arnis entstanden 3 große
Werften, die 50-60 Facharbeiter beschäftigten und für
ausländische Reeder in Bergen, Bremen, Hamburg und Kopenhagen
größere Schiffe bauten. Eine Navigations-schule, eine
Schiffergesellschaft (mit eigenem Seegericht) und andere Gilden
wurden gegründet. Es herrschte ein Wohlstand, der wie ein Chronist
damals richtig bemerkt, für Arnis nicht so leicht wiederkommen
würde. Schon die Wirren der Napoleonischen Kriege, die Arnis
selbst nur am Rande berührten, trafen seine Schiffahrt schwer.
Schleswig-Holstein als Bestandteil des dänischen Gesamtstaates
wurde gegen den Willen seiner Regierung mit in die großen
Auseinandersetzungen hineingezogen und auf die Seite Napoleons gezwungen.
Im Verlauf der Kriegshandlungen erhielt der kleine Ort französische
Einquartierung, ja, am 10 Juni 1808 sogar den Besuch des bedeutenden
Generals Napoleons: Graf Bernadotte. - Noch vor dem fürchterlichen
Bomardement Kopenhagens durch die Engländer, wo die gesamte
dänische Flotte vernichtet wurde, kaperten die Feinde die Arnisser
Brigg "Undine". In Nord- und Ostsee machten die Engländer
Jagd auf Arnisser Schiffe, insge-samt 12 wurden von ihnen aufgebracht.
Weitere Schiffe gingen aus anderen Gründen verloren.
Wegen der englischen Blockade war es nicht mehr möglich, landwirtschaftliche
Produkte nach den skandinavischen Ländern zu exportieren, der
ganze Handel wurde lahmgelegt. Von den entstandenen Kriegsschäden
wurde nur ein Teil vergütet. Ob die Arnisser Schiffer für
ihre Fahrzeuge entschädigt wurden, ist nicht genau festzustellen,
aber wahrscheinlich, weil sie sich nach diesem schweren Schlag doch
verhältnismäßig schnell erholten und ihre Flotte
wieder wuchs, bis ein neues Unheil über sie hereinbrach. Eine
Zwangsanleihe Dänemarks, die dem kleinen Ort auferlegt wurde,
traf ihn schwer. Die Arnisser mußten ihr gutes Silbergeld
dem dänischen Staat zu ungünstigen Bedinungen leihen.
Das sonst so gute Verhältnis zu den Nachbarn wurde getrübt.
Der preußisch-dänische Krieg bringt Arnis dänische
Einquartierung, die Anfang des Jahres 1864 an der Schleiseite Schanzen
aufwerfen. Preußische Soldaten marschieren unter ihrem Führer:
Prinz Friedrich Carl in Eilmärschen bei eisiger Kälte
nach Sundsacker, um in Kähnen bei Arnis überzusetzen und
den Feind nordwärts zu vertreiben. Man ist sich der Schwierigkeit
dieses Unternehmens bewußt und rechnet damit, daß der
Däne Arnis nicht kampflos preisgeben wird.
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Eine alte Brigg

Historische Aufnahme einer Arnisser Regatta

Eine nicht datierbare Aufnahme aus Arnis
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